Visionäre Shoppingwelten in der weissrussischen Provinz

Visionäre Shoppingwelten in der weissrussischen Provinz

Dezember 2018

Modern Expo kam, sah und produzierte. In Rekordzeit hat der Retail-Ausstatter in Weissrussland eine topmoderne Fertigungsanlage aus dem Boden gestampft und steigert die nach Lean-Prinzipien gestaltete Produktion seither Jahr für Jahr. Die Vision: Das Shoppingerlebnis soll verbessert und neu erfunden werden.

Manchmal treibt die Geschichte erstaunliche Blüten, etwa im weissrussischen Witebsk. Als Marc Chagall 1919 in seinem Heimatort die Witebsker Kunstschule gründete und Grössen der russischen Avantgarde wie Kasimir Malewitsch anheuerte, konnte noch niemand ahnen, dass genau dieser Fleck einmal ein bedeutender Produktionsstandort in Belarus einnehmen würde. Dreieinhalb Autostunden von der Hauptstadt Minsk entfernt, dort, wo einst Hammer und Sichel den Takt vorgaben, fertigt nun Modern Expo seit 2016 nach topmodernen Standards. In einer Werkshalle aus Sowjet-Zeiten tüftelt der Retail-Ausstatter mit Hauptsitz in der Ukraine heute an der Einkaufswelt von morgen. «Die Zukunft gehört dem vernetzten Shopping», sagt Oleg Tkachuk. Der General Manager erzählt von einem Einkaufswagen, der Waren nicht nur transportiert, sondern auch wägt und die Konsumenten so mit nützlichen Infos versorgt. Zum Beispiel, wie viele Kalorien in den eingekauften Lebensmitteln stecken. 

Hoher Frauenanteil: Modern Expo wächst rasant und zieht junge Talente nach Witebsk, darunter auch viele Frauen.
Hoher Frauenanteil: Modern Expo wächst rasant und zieht junge Talente nach Witebsk, darunter auch viele Frauen.

Der Ukrainer Oleg Tkachuk war beim Aufbau des Standorts in Witebsk vom Tag eins an mit dabei. «Alle haben sich gefragt, was Modern Expo ausgerechnet in Witebsk will», erinnert er sich. Mitentscheidend bei der Wahl des Standorts waren die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: In der neu geschaffenen Freihandelszone profitiert das Unternehmen von Steuererleichterungen. Teil des Deals war der Wiederaufbau einer historisch bedeutenden Fabrikhalle.

Inzwischen sind die kritischen Stimmen verstummt. Die Statistik verdeutlicht, warum: Pro Jahr verlassen 1600 Lieferungen das Werk, jede einzelne davon mit einem Mindestgewicht von 20 Tonnen. Tkachuk: «Auf diese Zahlen sind wir stolz, das ist kein Geheimnis.» Ebenfalls kein Geheimnis ist die äusserst effiziente Produktionsmethode: Modern Expo produziert konsequent nach Lean-Prinzipien.

Lean ist Religion

Begleitet vom Dauerklingeln seines Smartphones, führt der Chef durch die fast klinisch sauberen Produktionshallen und erzählt, wie hier gearbeitet wird. Alles ist präzise koordiniert, Takt um Takt. Jeder Mitarbeiter wird von Anfang an in der Lean-Produktion geschult: «Lean ist für uns eine Art Religion», bringt es Oleg Tkaschuk auf den Punkt.

Es ist offensichtlich: Lean ist hier nicht Wunschdenken, sondern gelebter Alltag. So lässt der Kern der Produktion das Herz eines jeden Lean-Experten höher schlagen. Er bildet sich aus drei identischen Zellen, die je mit einer  BySprint Fiber 3015 Laserschneidmaschine sowie je drei Biegemaschinen Xpert 100 ausgestattet sind. An jede Produktionszelle ist eine separate Schweissmaschine angebunden, welche die verarbeiteten Bleche im Anschluss nach Bedarf zusätzlich verstärkt. Die Wege in der Produktionszelle sind so kurz, dass jeder Arbeiter kaum ein paar Schritte gehen muss, um den nächsten Arbeitsschritt zu vollenden. Dabei können unterschiedliche Teile parallel gebogen und weiterverarbeitet werden.

Direkt nach dem Schneiden und dem Biegen gondeln die Teile entlang der Fabrikdecke in ein vollautomatisiertes Spritzwerk. Die Elemente werden kundenspezifisch eingefärbt. Nächster Halt: Trockenraum. Am Schluss werden die Teile nach Kundenwunsch kombiniert. Hier ist alles gemäss dem Kanban-Prinzip ausgelegt: Jede Schraube und jedes Werkzeug ist registriert, nichts wird dem Zufall überlassen. Anschliessend werden die Teile verpackt, die Zollpapiere direkt vor Ort ausgestellt. Die fortschrittliche Produktionsmethode birgt auch Herausforderungen – wenn auch eher humoristischer Art. «Die Zollbehörde kann oft kaum glauben, dass vom Wareneingang der Rohbleche bis zur Auslieferung des fertigen Produkts nur so wenig Zeit vergeht», erzählt Oleg Tkachuk.

«Lean» ist für uns eine Art Religion, sagt der umtriebige Geschäftsführer Oleg Tkachuk
«Lean» ist für uns eine Art Religion, sagt der umtriebige Geschäftsführer Oleg Tkachuk

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